Samstag, 11. Juni 2016

Fußball und Revolte

Peinlich für Francois Hollande.Ausgerechnet zur gestern gestarteten Fußball-EM im eigenen Land, hat er Probleme mit Gewerkschaftern, Studenten und Linken,  die gegen seine Arbeitsmarkt-Reformen ala Agenda 2010 zu tausenden auf die Straße gehen, und durch Streiks fast alles lahm legen.

Umso brutaler lässt er den Widerstand von der Polizei nieder knüppeln.Dabei handelt es sich hierbei um seine eigene Wähler-Klientel.Ich hatte  mich hier  schon einmal mit dem Selbstmord der europäischen Sozialdemokratie beschäftigt.Marine Le Pen reibt sich sicher schon die Hände  ob dieser grandiosen Wahlkampfhilfe ihres Kontrahenten. Selbstmord aus Angst vor dem Tod,das ist es ,was Hollande hier betreibt.

Interessant mal wieder, das in deutschen Medien und Politik das brutale Vorgehen der französischen Polizei, und das antidemokratische Durchpeitschen der Reformen nur ein Rand-Thema sind, obwohl die Bilder, die man da zu sehen bekommt, denen aus Istanbul frappierend ähneln.Doch das war auch schon so, als in Spanien  Rajoy Demonstrationen gegen seine Spar-Politik niederknüppeln-, und dann mit dem neuen Versammlungsrecht de facto verbieten lies, ganz wie zu Francos Zeiten.

Aber da lernen wir wieder einmal:Wenn zwei das selbe tun,ist das noch lange nicht das gleiche.Wenn in Kiew  Rechte gegen eine demokratisch gewählte, aber dem Westen missliebige, Regierung putschen, dann sind das Demokraten , die für Freiheit kämpfen. Demonstrieren aber Menschen in Griechenland, Spanien, oder jetzt in Frankreich gegen die unmenschliche, antidemokratische Austeritätspolitik der EU ,gegen Abschaffung von Arbeitnehmerrechten, Senkung der Löhne und Sozialabbau, dann sind sie Krawallmacher und Terroristen, und da dürfen dann auch Demokratie und Menschenrechte buchstäblich mit Füßen getreten werden.werden.

Die selben Medien, wie Politiker, die vorher noch zurecht die Brutalität gegen Demonstranten in der Türkei kritisiert haben, schweigen nun weitgehend. Man stelle sich nur vor ,derartige Bilder wie jetzt aus Frankreich ,kämen aus Russland, wie würde man sich da überschlagen !

Natürlich wird man auch von keinem deutschen Politiker hören, was man vor dem Finale 2012 in Kiew gehört hat, wie "Ich kann mich nicht beim Fußball entspannen ,während in der Nachbarschaft die Menschenrechte mit Füßen getreten werden." (Gut, dergleichen dürfte man schon bei der WM 1978 in der faschistischen Diktatur in Argentinien nicht gehört haben, und von Olympia ´36 wollen wir gar nicht erst anfangen, ach ja und bei Katar 2022 bin ich auch mal gespannt)

Und sicher werden die olivgrünen Faschistenfreunde die Kanzlerin nicht zum Boykott aufrufen.Paris, ähnlich wie Madrid, ist schließlich nicht Kiew oder Istanbul, und wer sich gegen eine rücksichtslose Kaputtspar-Politik wehrt , welche die europäischen Arbeiter für die Zocker-Verluste von Banken und Konzernen bluten lässt,hat eben Pech gehabt, wenn er nieder geknüppelt wird, im Interesse der "westlichen Werte".
In diesem sinne:Schöne EM!

Kommentare:

  1. Hallo Doc, gut wieder von Dir zu lesen. Guter, treffender Text bzgl. Frankreich, das Verhalten neoliberaler Presse und unserer politischen Apathiekünstler.

    So sehr ich hoffe, das das frz. Volk sich erfolgreich wiedersetzt, Knüppel, Gas und Wasserwerfer trotzt, das vielleicht etwas von diesem Willen auf Leben auch nach Dt. schwappt und sogar die neoliberale "deutsche" EU wanken könnte, mir schmecken 2 Dinge nicht.

    1. Ein möglicher Erfolg für die rechte FN. Jean-Marie Le Pen war ja früher ein enger Mitstreiter de Gaulles, bis sogar "Le Vieux" der Kragen ob der rechtsradikalen Alleingänge seines Freundes der Kragen platzte. Allerdings hat Le Pen, bereits damals bis heute enge Vertraute in allen wichtigen frz. Schaltstellen sitzen.

    2) "Nuit debout", und das muss ich jetzt mit aller gebotenen Vorsicht ausdrücken, soll auch mit Unterstützung einer CIA-nahen Organisation um Gene Sharp, die den "arabischen Frühling" inszeniert haben sollen, gegründet worden sein. Das habe ich aus einem Artikel des frz. antineoliberalen Journalisten Thierry Meyssan, auf seiner Website am 12. April veröffentlicht. Der Link:
    http://www.voltairenet.org/article191222.html.

    Meyssan ist kein Schwätzer, was ich bisher dort las, erweckt den Anschein, wirklich recherchiert zu sein. Keine plumpe Anti-US-Propaganda.

    Wenn in dem Artikel Wahrheiten beschrieben wurden, dann frage ich mich noch besorgter als vorher, was zum Henker, die USA in West-Europa anstreben? Eine Destabilisierung der neoliberalen EU, wie derzeit in Nordafrika/Naher-Mittlerer Osten erreicht, kann doch, auf den ersten Blick, eigentlich nur kontraproduktiv für die nächsten Kriegsziele von Washington sein.

    Mit dem russenphoben Ex-WP/ComeCon-Staaten alleine werden die USA keinen direkten Waffengang mit Russland wagen wollen. Das könnte auch China wecken. Und (B)RICS wird sich das B nicht so einfach wegnehmen lassen.

    Wie gesagt, ich bin mir noch nicht sicher, was ich von all dem halten soll. Zuwenig Informationen.

    Aber eines weiss ich, den Franzosen wünsche ich gegen die Agenda in Frankreich nur einen Sieg über diese, bereits per Dekret eingeführte Schweinerei. So las ich es gestern auf den NDS.

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    1. Hallo Satire,

      Als selber DGB-Gewerkschafter muss ich sagen, unsere Gewerkschaften könnten sich von den französischen ruhig eine Scheibe abschneiden können.

      In der Tat kann eine Destabilisierung Europas nicht im sinne der USA sein.Die Verantwortlich dafür sitzen, denke ich eher in Brüssel und Berlin, und insbesondere in letzterem.Wie Gregor Gysi einmal so schön sagte, können die nicht aufhören zu siegen, und meinen ihre Agenda-Politik allen anderen aufzwingen zu müssen(Allenfalls die Russland-Sanktionen gehen natürlich auf auf Druck der USA zurück,die eine Partnerschaft zwischen Europa und Russland vermeiden, und hier einen Stellvertreter-Krieg führen wollen).

      Dabei werden Werte von Demokratie,sowie die Grundprinzipien, auf denen die europäische Gemeinschaft einmal fußte, wie in Griechenland, oder eben jetzt auch in Frankreich, mit Füssen getreten(Ich wies im Vorthread ja schon einmal daraufhin, das m.E. Hollande nicht freiwillig so dumm handeln kann,und ich Erpressung für keineswegs abwegig halte).

      Nun sind aber andere Völker ,wie das französischer, und auch das belgische ,nicht so servil und Obrigkeitshörig wie ein großer Teil des Deutschen. Preussischer Korps-Geist herrscht eben nicht in ganz Europa.

      Darum, und weil in der Tat die Destabilisierung Europas nicht im US-Interesse liegen kann,fällt die Bleierne auch allmälig in Übersee in Ungnade.Ihre Teflon-schicht zeigt ja schon deutliche Sprünge.

      Wenn ich nun lese, das CETA im Oktober unterzeichnet werden, und an den europäischen Parlamenten vorbei, in Kraft gesetzt werden soll,dürften wir in Europa noch einen heißen Herbst erleben.
      Schönes Wochenende noch
      L.G.,der Doctor

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