Mittwoch, 7. Mai 2014

Dogmen und Schubladen




Wer in diesen Tagen in die ,Welt, und vor allem nach Osten schaut, der muss zu dem Schluss kommen, das wir in diesen Tagen eine starke Friedensbewegung mehr brauchen,denn je. Aber was für eine? Nun hat sich eine Bewegung gebildet ,in der Tradition der Montags-Demos, der ,zumindest in Berlin Leute als Initiatoren vorstehen, bzw. dort reden, die man in rechter und völkischer Gesinnung einordnen muss, zumindest den Thesen nach, die sie verbreiten.
So werden bei einigen Mahnwachen Verschwörungstheorien verbreitet, nach denen die amerikanische FED an sämtlichen Kriegen Schuld ist. Solche Thesen müssen schon darum als Rechts eingestuft werden, weil sie die Faschisten von ihrer historischen Schuld reinwaschen. Es war nicht die FED, die den Zweiten Weltkrieg verbrochen hat, sondern deutsche Faschisten ,und es war auch nicht die FED, die das Jahrhundertverbrechen des Völkermordes an den europäischen Juden begangen hat ,sondern deutsche Faschisten. Im Übrigen gibt es auch keine jüdische Weltverschwörung, die dabei auch immer hervor klingt. Von Leuten, die solche Thesen verbreiten muss man sich klar distanzieren, und eine Warnung vor rechter Unterwanderung der Friedensbewegung, bzw., die Instrumentalisierung der Friedensbewegung von rechts ist auch völlig richtig und berechtigt.
Was mir sauer aufstößt, ist die Art und Weise, wie das vielfach auch von Leuten gemacht wird, die sich selber als links verorten. Da werden Grabenkämpfe geführt, anstatt sachlich aufzuklären und eine differenzierende Diskussion auf Sachebene zu führen. Da werden lieber alle Teilnehmer von Mahnwachen pauschal in die rechte und antisemitische Ecke gestellt, unabhängig davon , das die Elsässers, Jebsens ,Popps und Mährholz gar nicht alle veranstalten, und auch nicht auf allen Reden. Es gibt offensichtlich viele Tausend Menschen, die bereit sind ,sich für die Frieden zu engagieren, und auf die Strasse zu gehen. Wenn man die nun alle als Rechte abstempelt und ihnen zu verstehen gibt: “bleibt zuhause“, leistet man der Friedensbewegung einen Bärendienst, und die Kriegstreiber freuen sich ,wenn ausgerechnet Linke einander ausgrenzen.
Darum fand ich den Ansatz von Prinz Chaos II, einmal selber hinzugehen und sich vor Ort selbst ein Bild zu machen gut und richtig, und auch sein Artikel fiel so wohltuend differenziert und sachlich aus (http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/04/30/in-bewegung-geraten/#more-16120). Dafür habe ich ihn auch gelobt, dazu stehe ich auch. Dennoch hat sich der Prinz klar von Elsässer distanziert (er hat ja selber in einem Interview mit einem Historiker die FED-Verschwörungstheorie widerlegt: http://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/04/26/ursprung-und-geschichte-des-federal-reserve-systems/),und hatte auch Jebsen scharf kritisiert. Dennoch wurde er dafür angefeindet. Es passte einigen nicht, das er es trotzdem gewagt hatte, mit den „Schmuddelkindern“ zu spielen, und das darum sein Urteil über die Teilnehmer differenzierter ausgefallen war.
Es ist ja richtig vor der ,nicht zu leugnenden rechten Gefahr zu warnen, aber  grenzt doch deswegen Menschen, die sich für den Frieden und gegen den drohenden Krieg engagieren wollen nicht aus. Bietet lieber Alternativ-Veranstaltungen an, so wie die revolutionäre 1.Mai-Demonstrationen mit immerhin über 30.000 Teilnehmern ,die ein Schritt in die richtige Richtung war. Übrigens, wie viele  Teilnehmer von Montagsmahnwachen mögen unter den 30.000 gewesen sein?
Das selbe Schubladen-Denken erleben wir auch in der Diskussion über die Ukraine. Sich selbst als Links bezeichnende Blogger  diffamieren Leute ,die nicht der „guter Westen-böser Russe“- Ideologie aus dem Kalten Krieg folgen,und statt dessen differenzieren als „Putin- Versteher“(für mich jetzt schon das Unwort des Jahres).Ein „Putin - Versteher“ ist auch ,wer
die einseitige Berichterstattung unserer Medien, sowie die offene Zusammenarbeit  unserer Regierung, der USA und der Eu mit einer Regierung, die eindeutig faschistisch geprägt ist, kritisiert. Da gibt es keine Faschisten, und Schuld an allen Unruhen ist grundsätzlich der böse Russe. Es scheint mir manchmal ,als wünschten sich auch einige Linke den Kalten Krieg zurück. Der Tag hat ja auch Struktur ,wenn man ein schönes Feindbild hat.
Natürlich, Putin ist ein Autokrat und ein Oligarch, und seine Regierung nichts weniger als Demokratisch, und mit Sicherheit hat er eine Menge Dreck am Stecken, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren, aber sind denn die Anderen soviel besser, als er ,das wir sie als die Guten  und Putin als den bösen betrachten?
Der SPD-Politiker Erhard Eppler hat dazu interessantes geschrieben:

Professor Winkler wendet sich – und hier beginnt der Dissens – gegen die „Putin-Versteher“. Das wundert mich. Warum sollten wir nicht versuchen, ihn zu verstehen? Ich bewundere den Mann nicht, ich möchte auch nicht von ihm regiert werden, aber ich möchte ihn verstehen. Denn die Alternative zum Verstehen ist der Hass. Auch wenn ich jemanden verstehe, kann ich ihm widersprechen. Aber ich muss ihn nicht hassen. Politik besteht zu einem beträchtlichen Teil aus dem Bemühen, die Leute zu verstehen, die einem widersprechen, die das Gegenteil für richtig halten. Wer hier nicht verstehen will, muss den Gegner für böse halten. Ein guter Gewerkschafter weiß, warum der Unternehmer lieber 2,9 Prozent Lohnerhöhung hin- nimmt als 3,0 Prozent. Und der gute Unternehmer weiß, warum sein Kontrahent zu 2,9 Prozent nein sagen muss, aber zu 3,0 Prozent ja sagen kann. Und weil beide wissen, wie der andere tickt, können sie nachher zusammen ein Glas Wein trinken. Sie sind gefeit gegen jenes moralinsaure Geschwätz, das aus jedem Interessenkonflikt einen Kampf zwischen Gut und Böse macht. George W. Bush fand sich selbst so gut, dass seine Gegner böse Schurken sein mussten. Und die Bösen musste man besiegen – Völkerrecht hin oder her –, aufhängen, ausradieren. So führte er im Irak einen besonders dummen Krieg, den er militärisch natürlich gewann, politisch, ökonomisch und vor allem moralisch total verlor. Sein Bruch des Völkerrechts – garniert mit Lügen – hat zur Chaotisierung des Nahen Ostens erheblich beigetragen. Ja, indem Putin auf der Krim eine Grenze verschoben hat, und zwar im Dissens mit der Regierung der Ukraine, hat er

das Völkerrecht verletzt. Aber deshalb lässt sich die Welt nicht einteilen in Gute, die das Völkerrecht achten, ja verkörpern, und in Böse, die es verachten.


(EE, DER SPIEGEL Nr. 18, s.40, Heft 18 vom 28.04.14)(Hervorhebungen durch der Doctor)




 Die Welt ist nun mal nicht so simpel schwarzweiss, wie es sich einige kalte Krieger vorstellen. Seien wir ehrlich: ob es Janukowitsch ist,ob es Timoschenko ist oder Putin,Eu, oder USA,sie haben alle Dreck am stecken. Daher gibt es da keine Guten und keine Bösen. Der Grund warum Timoschenko in unseren Medien als Opfer dargestellt wird und warum die Demonstanten als Freiheitskämpfer(das waren z.B. auch die Al Kaida, solange sie in Afghanistan nur Sprengstoffanschläge gegen die Russen durchgeführt haben, damals eben Freiheitskampf und nicht Terrorismus) dargestellt werden, ist ,weil sie die Ukraine nach Europa und damit für die Profitinteressen westlicher Konzerne öffnen ,und die Nato bis an die russische Grenze erweitern wollen (Konnte jemand ernsthaft glauben, das Putin sich das tatenlos anschaut?). Wäre Janukowitsch dafür und stattdessen, die Opposition Russland-freundlich ,dann wäre Janukowitsch ein “Lupenreiner Demokrat” ,Die Oppositionellen Demonstranten böse Putschisten und Terroristen, und Timoschenko säße noch im Knast und nach der Auffassung unserer Medien zurecht.Die Einseitigkeit deutscher Berichterstattung konnte man auch sehr schön im Regionalfernehen bei uns in Norddeutschland sehen.In jeder Sendung irgendwelche Tränendrüsenbeiträge über hier lebende ukrainische Familien,die soviel Angst haben um ihre lieben in der Heimat,die vom bösen Janukowitsch -Regime,oder jetzt dem bösen Russen , bedroht sind.Ich will ja den Wahrheitsgehalt der Berichte gar nicht anzweifeln ,aber man hätte auch hier eben beide Seiten hören können,und das es hier keine Ukrainer gibt,die eher Regierungsfreundlich eingestellt sind kann mir keiner erzählen .Es wird ebenfalls verschwiegen ,das auch Timoschenko in der Ukraine alles andere als unumstritten ist,und das Janukowitsch demokratisch trotz Gegenkanditatin Timoschenko gewählt wurde.. Natürlich haben auch die Russen ihre Geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen, wie der Westen auch. Aus reiner Herzensgüte schicken sie nicht Milliardenhilfen dorthin.
Gewalt geht von beiden Seiten aus ,und die Toten beider Seiten, sind die Opfer geostragischer Machtspiele sowohl der westlichen Mächte ,als auch Russlands. Die Interessen des ukrainischen Volkes spielen in deren Überlegungen keine, bzw. nur untergeordnete Rolle. Es gibt kein Gut und kein Böse .Im Grunde sind sie alle Arschlöcher. Und ob die jetzige Opposition in Regierung besser ist für die Ukraine möchte ich zumindest bezweifeln. Insbesondere ,da USA und IWF dieser Regierung schon ihre Hilfe zugesagt haben, natürlich zu den üblichen IWF- Bedingungen, die man jetzt noch verschweigt: Zerstörung des Sozialstaates, Ausverkauf des öffentlichen Eigentums ,etc.,die “bewährten Rezepte” ,die bspw. in Griechenland auch so toll gewirkt haben(zumindest für die Banken).Eine Alternative muß aber immer besser sein, als das bestehende ,sonst hat sie keine Chance.
Die Beste Lösung für die Ukraine sind ein Ende der Gewalt, und möglicht baldige Neuwahlen. Ein Gewalttätiger Umsturz wird eher wieder ein totalitäres Regime gebären .Eine legitime Regierung muß vom Volk gewählt und dann auch von der internationalen Gemeinschaft akzeptiert werden. Denn auch das gehört zur Demokratie, das eine Regierung gewählt werden könnte ,die dem Westen,  den Russen oder beiden nicht in den Kram passt. Aber das wäre dann eben der Wille des ukrainischen Volkes und den hätte man zu respektieren.
Einen Frieden ohne Russland, oder gegen Russland wird es nicht geben, und die Stationierung von Militär an der russischen Grenze, ist das denkbar dümmste ,was man hier tun kann. Es geht darum, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Und da sind wir wieder bei der Friedensbewegung. Die ist, wie gesagt, heute mehr denn je nötig. Aber mit den richtigen Leuten. Die FED ist nicht das Problem und die USA sind zwar Kriegstreiber, aber nicht der Einzige. Wenn wir für Frieden kämpfen, dann, für Frieden in der Welt und nicht nur für Deutschland. Der Kampf für Frieden ist auch immer ein Kampf gegen den Faschismus ,und Leute ,die rechtes Gedankengut verbreiten oder die Nazis von ihrer historischen Schuld reinwaschen wollen ,haben in der  Friedensbewegung nichts zu suchen. Aber jene, die sich für den Frieden engagieren wollen dürfen nicht ausgegrenzt, weil sie auf der „falschen Veranstaltung“ waren ,sondern müssen mitgenommen werden, um sie den rechten Rattenfängern nicht zu überlassen.   

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