Sonntag, 9. November 2014

Offener Brief an Wolf Biermann



Sehr geehrter Herr Biermann!

Mit Befremden nahm ich zur Kenntnis, was sie in der Feierstunde zum Gedenken an den Mauerfall im Bundestag gegenüber der Partei die Linke abgesondert haben. Ich verstehe selbstverständlich ,das sie ,vor dem Hintergrund ihrer Vita ,und des Unrechts ,das sie seitens des DDR-Regimes erfahren haben, auf die DDR nicht gut zu sprechen sind, aber auch das berechtigt sie nicht, demokratisch gewählte Vertreter einer Partei, die eindeutig auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung agiert, in aller Öffentlichkeit herab zu würdigen, und zu beleidigen. Denn sie würdigen damit auch jene herab, die sie gewählt haben, und nicht zuletzt würdigen sie alle Menschen mit DDR-Biografie herab, die nichts für die Verbrechen ihrer Regierung konnten, und sie auch nicht unterstützt hatten.

„Ihr seid der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden ist“, geiferten sie den Abgeordneten der Linken entgegen. Dies müssten sie aber dann genauso allen , aus den ehemaligen Blockparteien von CDU bis SPD, stammenden Abgeordneten mit DDR-Biografie zurufen ,deren Organisationen ,wie Oscar Lafontaine im Interview mit dem Weser-Kurier richtig feststellt, Zweigstellen der SED waren, die nach der Wende von ihren West-Organisationen geschluckt wurden. Eine Aufarbeitung ihrer DDR-Vergangenheit fand, im Gegensatz zur PDS, nie statt. Wenn sie also der Linken Vorwürfe wegen der DDR machen, müssten sie diese den ehemaligen „Blockflöten“ genauso machen.

Es ist schon merkwürdig:Sie werfen der Linken die DDR-Vergangenheit vor,und lassen sich gleichzeitig von einer ehemaligen FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda auf die Schulter klopfen   

Sie scheinen mir, ähnlich wie Joachim Gauck, ein verbitterter, hasserfüllter alter Mann zu sein, der in seinem Denken in der Zeit des kalten Krieges stehen geblieben ist, und nun immer noch seinen Hass und seine Rachsucht gegenüber dem DDR-Regime ausleben muss. Das können sie meinetwegen auch tun, nur die Linke ist nicht das DDR-Regime, und war es auch nie. Richtig, sie ist aus der Vereinigung von zwei Parteien entstanden, von denen eine die Nachfolgeorganisation der SED war, aber die PDS hat sich schon auf ihrem Gründungsparteitag vom DDR-System distanziert, und dessen Verbrechen verurteilt.

Es war nicht die Linke, die ihnen die Dinge angetan hat, die ihnen in der DDR zugefügt wurden ,doch in Ermangelung des wirklich Schuldigen, suchen sie sich die Partei als Ersatzhassobjekt aus, und machen sie verantwortlich, obwohl es unter ihnen eine Reihe Politiker gibt, die entweder aus dem Westen stammen, oder vom Alter her gar nicht für die DDR-Verbrechen verantwortlich gemacht werden können.

Richtig, die DDR war ein autoritär und diktatorisch regierter Staat, der die gute Grundidee des Sozialismus , pervertierte, weil die DDR-Führung ihrem Volk nicht vertraute, es statt dessen bespitzeln und ausspionieren ließ, andersdenkende weg sperrte, und auf Menschen ,die das Land verlassen wollte, schießen ließ. Sie enthielt ihren Bürgern wichtige, demokratische Grundrechte, wie Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Recht auf Privatsphäre, etc. vor, und ging darum auch verdienter Massen unter.

Ja, hassen sie das DDR-Regime, für dessen Verbrechen, aber hassen sie nicht jene, die dafür nichts können, und die heute ,ähnlich wie sie damals, nicht der vorherrschenden Ideologie folgen, die Schweinereien der Regierenden aufdecken, und denen darum ein Dorn im Auge sind.

Merken sie nicht, das sie sich vor den Karren derer spannen lassen, die, wie einst das DDR-Regime jede wirkliche Opposition mundtot machen wollen? Haben sie dafür in der DDR all das ertragen, um sich nun zum Hofnarren der CDU zu machen? Oder brauchen sie das für ihre Karriere?

Es ist doch offensichtlich, dass sie vom Bundestagspräsidenten nur zu dem Zweck dort eingeladen wurden, um Stimmung gegen die Linke zu machen. Hintergrund dürfte auch hier die Verhinderung von ROT-ROT-GRÜN in Thüringen sein. Sie machen sich aus Hass, Rachsucht und Engstirnigkeit zum Werkzeug einer antioppositionellen Hasskampagne zur Verhinderung einer eventuellen regierungspolitischen Alternative zum Herrschenden  System. Kommt ihnen so etwas nicht bekannt vor?

Mal ehrlich, sie kämpfen für Demokratie und Freiheit. Was sagen sie denn dann dazu, dass die CDU am Neunten November, nicht nur der 25.jahrestag des Mauerfalls, sondern auch 76.Jahrestag der Reichspogromnacht, sich in eine Reihe mit den geistigen und ideologischen Erben der NSDAP  in eine Reihe stellt um gegen eine links- geführte Regierung in Thüringen zu demonstrieren? Stört sie das nicht, das ausgerechnet an einem Gedenktag für die Opfer faschistischen Terrors, eine demokratische Partei mit Nazis gemeinsame Sache macht, um eine, ihr missliebige, Regierung zu verhindern? Sicher, man kann eine Links geführte Regierung ablehnen, aber, wer sich dabei mit den erklärten Feinden der Demokratie zusammen tut, der macht sich vollständig unglaubwürdig, wenn er die demokratische Gesinnung der Linken in Frage zu stellen versucht.

Und haben sie, der der Verfolgung durch den DDR-Repressionsapparat ausgesetzt war, kein Problem damit, das NSA und BND, unbescholtene Menschen in diesem Land genauso ausspionieren und bespitzeln, wie es einst die Stasi tat? Ist das, was in der DDR, unbestritten ein Verbrechen war, nun plötzlich legitim, weil es US- Geheimdienste und BND tun?

Bei Anlässen wie diesen, ist oft auch immer von Versöhnung die Rede, und von Einheit. Herr Gauch redet gern davon, tut aber das Gegenteil, und sie, glaube ich, singen auch in ihren Liedern davon, und handeln ebenfalls nicht danach.
Ich habe in einer Doku ein Interview mit einem Stasi-Opfer gesehen. Dieser Mann, ist von Menschen, die er seine Freunde nannte, jahrelang im Auftrag  der Stasi bespitzelt worden. Und soll ich ihnen etwas sagen? Er nennt sie immer noch seine Freunde, denn er sagt, es macht keinen Sinn, dem mit Hass zu begegnen, sondern, es ist entscheidend, sich auszusprechen, und aufzuarbeiten, und zu versöhnen. Vielleicht, Herr Biermann, sollten sie sich daran ein Beispiel nehmen. Denn eine wirkliche Deutsche Vereinigung bekommt man nicht mit Hass hin.

Ja, die Verbrechen des DDR-Regimes dürfen nicht vergessen werden, und genauso deren Opfer. Aber die Verbrecher von einst, sitzen nicht in der Partei die Linke. Sie sind nicht mehr da. Lernen sie zu akzeptieren, dass die Zeiten sich geändert haben.

Die Linke ist heute die einzige wirkliche Oppositionspartei im Bundestag. Sie nennen sie reaktionär. Schauen sie sich an, was die Regierenden mit der Agenda 2010 , Kürzungsdiktaten in Europa, und dem unsinnigen Wirtschaftskrieg gegen Russland angerichtet haben, oder sehen sie sich die widerliche Rufmordkampagne gegen die GDL und ihren Vorsitzenden an. Nennen sie das etwa fortschrittlich? Und nennen sie es demokratisch? Haben sie für solch eine Art von Freiheit gekämpft? Wenn ja, dann haben sie, mit Verlaub, ein sehr merkwürdiges Demokratie und Rechtsstaatsverständnis.

Wachen sie auf, sie machen sich zum Handlanger für Leute, die genauso die Opposition bekämpfen, und genauso die vorherrschende Ideologie diktieren, und jene, die ihr nicht folgen bekämpfen, wie es das  DDR-Regime tat. Erinnert sie die Verleumdungskampagne gegen Weselsky nicht ein bisschen an etwas? 

Oder haben sie sich in diesem System eingerichtet, fühlen sich wohl, und helfen den herrschenden Eliten jetzt mit ihren Gegnern ebenso umzuspringen, wie einst das DDR-Regime mit ihnen? Dann allerdings wären sie ein Opportunist reinsten Wassers. Haben sie wirklich so wenig gelernt, oder vernebeln ihnen Hass und Rachsucht so die Sinne?

Ich habe Respekt vor ihrem Lebenswerk, aber, wenn sie jetzt der CDU helfen die Opposition zu bekämpfen, wie es einst das DDR-Regime tat, zerstören sie ihr eigenes Denkmal. Das haben sie doch wirklich nicht nötig. Denken sie mal darüber nach.

In diesem Sinne
Mit nachdenklichen Grüßen

Thorsten Schumann, alias der Doctor

      

  
  

Kommentare:

  1. »Oder haben sie sich in diesem System eingerichtet, fühlen sich wohl, und helfen den herrschenden Eliten jetzt mit ihren Gegnern ebenso umzuspringen, wie einst das DDR-Regime mit ihnen?«

    Der peinliche Auftritt im Bundestag läßt schlechterdings keinen anderen Schluß zu.

    Gruß
    Pantoufle

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    1. Stimme dir zu.Offenkundig ein Opportunist.Aber "Mutti" hat ihn getätschelt.Die Reaktion der Linken fand ich aber gut, auch das Gysi in seiner Rede mit keinem Wort daruf ein ging.Alles andere wäre für Biermann nur ein Triumph gewesen.
      L.G.,der Doctor

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  2. Für mich ein Kleinbürger, wie er im Buche steht, so wie auch eine Merkel und ein Gauck. In der DDR im Gegensatz zu vielen anderen haben Leute dieses Schlags nie wirklich gelitten, ja sogar Karriere gemacht und sehr gut gelebt. Fatal, dass ausgerechnet solche Typen nach der Wende Macht und Deutungshoheit gewonnen haben.

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    1. Reinhold Herzb erger7. Dezember 2014 um 18:59

      Mein Name ist Reinhold,

      wer ist Wolf Biermann ?????

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  3. Reinhold Herzberger7. Dezember 2014 um 19:04

    nochmal Reinhold,

    der Biermann ist och nur sauer weil die Margot die Erste Dame im Staat wurde
    und er rausgeschmissen wurde.

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  4. N´abend Reinhold.
    Ich denke auch, es handelt sich letzten Endes um verletztes Ego, und verletzte Eitelkeit.
    Und nun hat er sich im System gut eingerichtet und profitiert davon.Dafür macht man sich dann auch mal gern für die herrschenden zum Vollhonk, Hauptsache, Mutti umarmt ihn.
    Das ist ein weiterer Grund ,warum ich mich freue, das Ramelow zum in Thüringen zum Ministerpräsidenten gewählt wurde.Biermanns Auftritt im Bundestag war ja letzten Endes auch ein Versuch dies noch zu verhindern.
    L.g.,der Doctor

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